Mühlen

Die Neumühle in Rimbach

Durch den ersten Kontakt mit einer der Rimbacher Mühlen (Rimbach – von der Mündung…) ist mein Interesse geweckt und ich möchte mehr wissen:

  • Gab es noch mehr Mühlen in Rimbach?
  • Wozu diente der rote Schuppen bei der Buckelsmühle, den ich zuerst für ein Mühlenüberbleibsel hielt?
  • Was genau ist ein Mühlgraben?

Endlich rappele ich mich auf und besorge mir (mittels Internet-Kleinanzeigenportal, da längst vergriffen) das Buch

Rimbach im Odenwald – Ein Streifzug durch die Geschichte.

Karl-Ludwig Schmitt, Geiger-Verlag, 1995

Schon auf dem Umschlagbild ist die erste Mühle, die schon erwähnte Buckelsmühle, abgebildet. Es handelt sich um eine Darstellung der Künstlerin Gerda Luchterhand (eine ähnliche Zeichnung findet man übrigens auf der facebook-Seite vom Heimat- und Museumsverein Zotzenbach e.V. ) In diesem Buch ist von drei Mühlen die Rede. Ich forsche noch etwas weiter und beschließe, noch ein weiteres Buch zu erwerben:

Mühlen wiederentdeckt – Dokumentation der Mühlenstandorte im Kreis Bergstraße

Heinz Reitz, Verlag Larissa, 1997

Ich bekomme es über das Antiquariat Felix Mücke in Hammelbach. In diesem Buch sind drei weitere ehemalige Mühlen in der Gemarkung Rimbach beschrieben, nämlich: die Zotzenbacher Mühlen. Außerdem stoße ich im Internet noch auf zwei alte Aufnahmen der Buckelsmühle, welche ich freundlicherweise für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt bekomme.

Hier sieht man gut, wie das Wasser aus dem Mühlgraben über das Wasserrad wieder auf den Waldbach trifft. Bildnachweis: © Bildarchiv Foto Marburg / Fotograf Walter Schröder
www.fotomarburg.de

Was ist mit den Mühlen passiert, lassen sich noch Hinweise und Zeichen finden. Wie sieht es jetzt an diesen Standorten aus? Ich beschließe, den ehemaligen Mühlen einen Besuch abzustatten.

Die Rippersmühle

Wasser vonWeschnitz
Ersterwähnung1426
AdresseMühlgasse 9, Rimbach

Ich treffe vor dem jetzigen Wohnhaus auf einen Nachfahren der Müllerfamilie und bekomme die Erlaubnis, Fotos zu machen. Die ehemalige Mühle ist längst stillgelegt und dient heute als Lagerraum für die Landwirtschaft. Das Wasserrad befand sich an der Rückseite; der Mühlgraben, der das Wasser von der Weschnitz zur Mühle führte, ist längst zugeschüttet.

Aus den Büchern erfahre ich, dass das ehemalige Wohnhaus vor dieser im Hof sichtbaren Fassade stand und die Türöffnungen die Zugänge vom Wohnhaus zur Mühle waren. Interessant ist außerdem das Jahr 1964 – denn ab da war in ganz Rimbach Schluss mit wasserbetriebenen Mühlen (siehe auch Echo-Online: Vor knapp 60 Jahren…). So auch hier an der Rippersmühle.

Die Neumühle

Wasser vonWeschnitz
Ersterwähnungca. 1730
AdresseNeumühlweg 16, Rimbach

Der Neumühle konnte man sich bis vor kurzem nur über den namentlich passenden Neumühlweg erreichen. Ich komme heute von der anderen Seite und nehme den neuen Steg an der Martin-Luther-Schule. Der Dreiseithof besteht aus Wohnhaus, Mühle, Scheune und landwirtschaftlichen Gebäuden.

Der kleine Anbau rechts, Giebelseite mit Natursteinmauer und Schindeln, war früher das Backhaus, links davon die Mühle.

Auch hier treffe ich die Nachfahren des letzten aktiven Müllers. Ich darf sogar Fotos im Innenraum der Mühle machen und nicht nur das: die Mühle mit ihren Geräten und Vorrichtungen ist zum großen Teil noch erhalten. Nach Aufgabe der Wasserkraftnutzung wurde die Mühle eine Zeitlang noch mit Elektromotor betrieben. Alle zum Mahlen nötigen Gerätschaften sind prinzipiell noch genauso vorhanden! Außerdem gehörte noch ein Backhaus zur Anlage. Vom Getreide bis zum Brot, alles an einem Ort. Ursprünglich wollte ich nur ein Foto vom Innenhof machen und hätte nicht gedacht, dass es hier soviel Interessantes zu entdecken gibt – Danke an dieser Stelle für die vielen Infos!

Die Vollrathsmühle

Wasser vonZotzenbach
Ersterwähnungca. 1838
AdresseHauptstraße 109, Zotzenbach

Auf dem Gelände der ehemaligen Mühle befindet sich heute ein Gewerbebetrieb. Im Rimbachbuch gibt es eine schöne alte Aufnahme des Anwesens. Ich laufe hier zwar nur an der Straße vorbei, trotzdem auch hier gleich Hinweise auf die frühere Mühle (vermutlich sind es Mahlsteine im Vorgarten).

Vollrathsmühle Zotzenbach Spurensuche
Ganz links, hinten im Bild befindet sich der Mühlenteil des ehemaligen Wirtschaftsbetriebes.

Die Göttmannsmühle

Wasser vonZotzenbach
Ersterwähnung1694
AdresseHauptstraße 17, Zotzenbach

Einfach toll, so ein Dorf: Fälschlicherweise laufe ich zuerst zur Tankstelle. Freundlich werde ich an die Nachbarschaft verwiesen. Die Nachbarin ist zufällig auch gerade auf der Straße und schon stehe ich auf dem ehemaligen Mühlengelände. Die Mühle ist zwar längst abgerissen, nicht aber der wasserführende Oberlauf des Mühlgrabens. Ein Grundstück mit kleinem Wasserfall! Außerdem erfahre ich, dass nicht nur unrentable aber erforderliche Instandsetzungsmaßnahmen zur Einstellung der Müllerei führten, sondern auch, dass das „Biomehl“ (es konnte nur grobes nicht so feines weißes Mehl gemahlen werden) in der Nachkriegszeit immer weniger gefragt und abgenommen wurde.

Blickt man von der Straße auf das Gelände, so stand rechts oben die Mühle. Dort wo das Wasser jetzt auf die Steine triftt und abfließt, war früher das Wasserrad.

Von meinen ursprünglichen Plan, alle Mühlen schnell an einem Nachmittag aufzusuchen muss ich abrücken. Ich habe heute viel gesehen und gehört und beschließe den verbleibenden beiden Mühlen morgen einen Besuch abzustatten.

Die Buckelsmühle (Hartmannsmühle)

Wasser vonWaldbach
Ersterwähnungvor? 1812
AdresseHolzbergstraße1, Rimbach

Heute habe ich auch hier Glück und treffe vor dem Haus wieder auf einen Nachfahren des letzten Müllers der Mühle. Ich darf mich auf dem Gelände umsehen und bekomme wieder wertvolle Informationen. Im Hof (Eingang Holzbergstraße) befindet sich zudem ein originalgetreues Modell der Mühle mit Wasserrad. Hier bekomme ich auch auf meine Frage, was es mit dem „Schuppen“ auf sich hat, eine Antwort.

Was ist eine Schneidmühle?

Genaugenommen gab es hier nämlich zwei Mühlen. Zuerst existierte eine Schneidmühle – „der Schuppen“. Während meines Bach-Beitrags wurde ich nämlich zunächst auf diese ganz alte Mühle aufmerksam gemacht. Ich habe aber bei weiteren Recherchen nur Infos über die Getreidemühle/Buckelsmühle gefunden und „den Schuppen“ deshalb dort auch nicht extra beschrieben. Tatsächlich gab es zwei verschiedenen Wasserführungen vom Mühlgraben zu den beiden Gebäuden.

Im historischen Kontext bedeutet der Begriff Schneidmühle Sägewerk. Hier wurde Holz gesägt.

Die Pfeifersmühle

Wasser vonZotzenbach
Ersterwähnung1731
AdresseSchulstraße 17, Zotzenbach

Die Pfeifersmühle hat ihren Betrieb bereits 1913 eingestellt. Ich verabrede mich kurzfristig mit Frau Rauch. Die mittlerweile geschlossene Bäckerei kenne ich noch aus meiner Zotzenbacher Zeit. Hier besteht allerdings keine direkte Verbindung mehr zur Müllerei. Lediglich eine Art Kellerschacht linkerhand am Wohnhaus weist auf den früheren Standort des Wasserrades hin. Im Hinterhof sieht man zudem ein Gebäude (jetzt Nachbargrundstück) welches im Mühlenbuch als Wasserhaus (Wasserreservoir) beschrieben wird. Außerdem ist noch die Inschrift des letzten aktiven Müllers am Hauseingang zu sehen.

Fazit:

Sowohl was die Historie angeht als auch die Technik gibt es im Bereich der Mühlen viele weitere Aspekte und Vertiefungsmöglichkeiten. Viele der Informationen und Erkenntnisse kann ich in diesem Beitrag gar nicht unterbringen und habe hoffentlich auch nicht allzu großen Mist geschrieben. Aber dafür gibt es ja auch die Kommentare oder Email – Resonanz willkommen!

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