Vergangenen Samstag führte mich eine kleine Radtour auf die Tromm. Dabei kam ich auch am Ireneturm vorbei. Dort, wo lange Zeit eine Absperrung aus Brettern den Zugang versperrte, und ein charmanter, aber reichlich in die Jahre gekommener Aussichtsturm, ein Schattendasein führte, ist jetzt Baustelle. Laster, Bagger sowie mehrere Kräne und ein neuer, noch nicht fertiger, Turm sind dort zu sehen.

Das ist ja mal interessant, dachte ich mir. Mehr zufällig und weil sich die Gelegenheit ergab, hatte ich bereits vor einiger Zeit eine Postkarte des alten Ireneturms erstanden. Aber eigentlich hatte ich noch nicht vor, darüber zu berichten. Türme sorgen bei mir immer für ein mulmiges Gefühl: Höhenangst! War ich doch bisher immer froh, wenn ich nach dem Abstieg wieder festen Boden unter den Füßen hatte.

Der alte Turm

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Der „alte“ Ireneturm, Postkarte von Foto-Bucher, Affolterbach

Ausblick auf andere Türme

Spontan musste ich dabei auch an den Sektor-f denken, heute eine Aussichtsplattform im Bayrischen Wald, unsäglich hoch und irgendwie gruselig. Es handelt sich dabei um ein denkmalgeschützes Relikt aus dem Kalten Krieg. Früher war es eine NATO-Militärgebiet mit Abhöranlage, heute ist es Aussichtsplattform und Filmlocation. Dorthin hat es mich bei einem Kurzurlaub, den ich 2016 im bayrischen Rimbach verbrachte, verschlagen. Auf halber Höhe musste ich den Aufstieg beenden, zu stark war der Sog nach unten.

Aber auch beim Kaiserturm auf der Neunkircher Höhe und sogar bei meinem Lieblings-Leucht-jetzt-Aussichts-Turm dem Rubjerg Knude Fyr in Dänemark, blicke ich lieber von unten hoch, als von oben hinunter.

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Sektor-f im Bayrischen Wald

Sektor-f ist 15 Minuten Autofahrt von Rimbach entfernt, allerdings dem bayrischen Rimbach. (Foto: Wikipedia / Florian Meier)

rimbachblog: Kaiserturm
Kaiserturm / Neunkircher Höhe

Vergleichsweise harmlos aber mit grandioser Aussicht und dazu noch ganz in der Nähe ist dieser schöne alte Turm – mitten im Wald.

rimbachbog: Rubjerg Knude Fyr
Rubjerg Knude Fyr / Dänemark

Der ehemalige Leuchtturm, ein Wahrzeichen Nordjütlands, wurde 2019 um etwa 70 Meter ins Landesinnere verschoben.

Der Wow-Effekt

Doch kurze Zeit später und wieder zurück in (unserem) Rimbach passierte Folgendes: Beim Spaziergang im Wohngebiet entdeckte ich ihn. Vor der Haustüre! Den kleinen Schnipsel, den Bürzel, die „Störung“ an der Silhouette des Höhenzuges. Wow wie toll! Der neue Ireneturm ist ja schon von Weitem zu sehen.

rimbachblog: Ireneturm

Hier handelt es sich also nicht nur eine neue begehbare Stahl-/Holzkonstruktion, die den alten Turm ersetzt, sondern auch um eine Weiterentwicklung, ein richtiges, selbst aus der Ferne sichtbares, Landmark.

Kurzerhand entschloss ich mich mit dem Mountainbike dem Ireneturm einen weiteren Besuch abzustatten. Ich wählte naiverweise den kürzesten Weg und war dann doch von der Steigung und der Holprigkeit überrascht. Egal, letztendlich ging es mir ja um die Baustelle und ein paar aktuelle Fotos.

Eindrücke auf dem Weg nach oben

Superschön, supersteil und lauter als es aussieht.

Am Turm

Der Ireneturm – die Himmelsleiter.

577 m ü.M.

Der alte Turm wurde nach Prinzessin Irene von Hessen-Darmstadt benannt. 1890 wurde erstmals ein Turm gebaut, der 1910 durch einen Neubau mit markanter Gestalt (siehe Postkarte oben) an gleicher Stelle ersetzt wurde. Er wurde zum Wahrzeichen der Tromm, der zweithöchsten Erhebung im hessischen Odenwald. 

Die Tromm, eigentlich ein Höhenzug, wird auch gerne als der gemeinsame „Hausberg“ der Gemeinden Rimbach, Grasellenbach und Wald-Michelbach bezeichnet. 2010 wurde der alte Ireneturm vom Odenwaldklub an die Gemeinde Rimbach übergeben, war aber bald so baufällig, dass er ab 2013 nicht mehr begehbar war.

Der neue Ireneturm führt in Form einer Himmelsleiter noch ein paar Meter höher in den Himmel hinauf. Lediglich das steinerne Fundament bleibt als Schutz- und Aufenthaltsbereich erhalten.

Auf dem Weg nach unten

Beim Rückweg musste ich etwas improvisieren, denn offensichtlich sind momentan nicht alle Wege befahrbar und es gibt kürzere, ausgeschilderte Umleitungen. Aber irgendwie kommt man ja immer runter und schon bald tauchten auch wieder bekannte Wege auf.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Eröffnung. Vielleicht traue ich mich dann auch bis ganz hinauf!

Ich muss gestehen, für jemanden, der mit Rad, Kamera und Handy (blöderweise ohne Halterung) unterwegs ist, ist dieser Weg nicht so günstig. Wer trotzdem einen kurzen Weg ausprobieren möchte oder sehr mountainbike-ambitioniert ist, hier sind die Tourdaten:
Kurze Strecke zum Ireneturm | E-Mountainbike-Tour | Komoot

Update 31.7.2022: Er ist eröffnet!

Link: Trommturm Rimbach | (rimbach-odw.de)

Weitere Links:

Projekt Himmelsleiter (nhps-stadtentwicklung.de)

Gemeinde Rimbach im Odenwald | Tourismus (auf > Geozentrum Tromm klicken)

Irene von Hessen-Darmstadt – Wikipedia

Tromm – Wikipedia

https://alltagserinnerungen.de/ireneturm-tromm-odenwald

Kaiserturm (Lautertal) – Wikipedia

Sektor F – Hohenbogen | Gipfelsteig

„Wo einst die Ohren in den Osten waren“, Sektor.f Rimbach in Rimbach • HolidayCheck

https://gipfelsteig.de/geschichte-sektorf/

https://youtu.be/Dcyp2ZgU9pA

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