Äpfel sind nicht mein absolutes Lieblingsobst, aber sie begleiten mich schon mein ganzes Leben. Ich liebe sie in Form von Apfelsaftschorle oder Apfelkuchen, weniger als frisches Obst. Die Idee, den eigenen Garten mit zwei Apfelbäumen auszustatten, kam auf, weil auf dem Grundstück vor dem Hausbau ursprünglich zwei wilde Apfelbäume standen.

Elstar sind Diven!
Ohne weitere Überlegungen und rein aus persönlicher Geschmacksvorliebe entschieden wir uns damals die Sorte Elstar zu pflanzen. Ich dachte noch: „Einen Apfelbaum setzen, abwarten und ernten, ab und zu mal ein Schnitt – das ist alles easy.“ Dass es so einfach aber nicht ist, zeigten die folgenden Jahre: Es gab viele Blüten und viele Fruchtansätze, und es sah auch prächtig aus. Aber praktisch war keine Ernte zu machen: Die Äpfel vergammelten am Baum oder fielen einfach runter, sie waren allesamt voller Würmer1.



Die Jahre vergingen und das Spiel wiederholte sich immer wieder. Ich hatte mich, außer schneiden lassen, nicht gekümmert. Erst Jahre später, nach Aufnahme eines dritten Baumes (gewonnen bei einer Tombola), habe ich mich mehr mit dem Thema beschäftigt. Der Neue, ein James Grieve Sommerapfel, trug, trotz seines jungen Alters, erstaunlich viele schöne Äpfel.


Nach einigen Recherchen wurde mir klar: Elstar sind Diven! Sie gelten als eher anspruchsvolle Sorte, die nur für den engagierten! Hobbygärtner empfehlenswert ist.
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Streuobstwiesen – Kulturlandschaft im Odenwald
Ähnlich ignoriert in meiner Wahrnehmung habe ich lange Zeit auch die Streuobstwiesen, die uns umgeben und die so typisch für die Landschaft im Odenwald sind. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich quasi mehr oder weniger inmitten von Streuobstwiesen aufgewachsen bin – im Remstal, dem Schwäbischen Streuobstparadies! Sie sind einfach da und man achtet nicht weiter darauf.
Den Obstlehrpfad in Rimbach-Albersbach lernte ich vergangenen Herbst bei einem Erlebnis-Spaziergang mit Verkostung kennen. Für diesen Beitrag bin ich den Lehrpfad vor Kurzem noch einmal alleine gegangen. Auf Schautafeln erfährt man hier viel Wissenswertes rund um die Streuobstwiesen.




Goldparmäne, Brettacher, Gewürzluige, Schweizer Glockenapfel, Fießer’s Erstling, Schöner aus Nordhausen, Graue Herbstrenette2
Ein Auswahl von alten Apfelsorten bei einer Geopark-vor-Ort-Veranstaltung in Rimbach-Albersbach.








Der Anbau von Obst für den Eigenbedarf und für den Handel war lange Zeit wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens im Odenwald. Außer ihrer historischen und kulturellen Bedeutung haben die extensiv genutzten Streuobstwiesen eine wichtige ökologische Funktion. Hinter folgendem Link verbirgt sich ein Video, in dem nicht nur die Bedeutung der Streuobstwiese in der Region erklärt wird, sondern das auch sofort Lust auf heimischen Apfelsaft macht: Odenwald im Wandel: Streuobstwiese
Zu den anderen Obstsorten auf den Streuobstwiesen gehören auch Zwetschgen. Früher waren diese, etwa gedörrt, ein beliebtes Handelsgut.
Latwerg = Zwetgschenmus3
Ein Wort, das ich nicht kannte, bevor ich hier ins Weschnitztal zog.
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Apfel-to-do’s
Zurück zum Apfel. Artig hänge ich jetzt Apfelwicklerfallen auf und streiche die Stämme im Herbst mit weißer Farbe. Ich lese die gammeligen Äpfel vom Boden auf und entferne auch den ein oder anderen Apfel am Baum, etwa wenn sie sehr eng aneinander hängen oder schon faulige Stellen haben. Den Schnitt lasse ich vom Profi machen. Allerdings nur einmal jährlich, zweimal wäre bei wahrscheinlich besser. Tatsächlich konnte ich so den Ertrag zunächst verzehnfachen. Aus einem Apfel wurden letztes Jahr tatsächlich zehn ;-). Auch die Streuobstwiesen müssen gepflegt werden. Gerade Misteln machen so manchen Baum frühzeitig kaputt.


Trotzdem wird es dieses Jahr keine üppige Elstar-Ernte geben. Ich dachte schon, jetzt wo ich mich reinhänge und das Ganze auch noch dokumentiere, würde mich eine reiche Ernte belohnen – leider nein! Es gibt dieses Jahr erstmalig einen Haufen Wasserschosse und es hängen sehr wenige Äpfel an den Elstar-Bäumen4. Der Kleine James-Grieve dagegen hängt voll, vielleicht sogar zu voll…




Wer gerade über Apfelanbau im eigenen Garten nachdenkt, sollte unbedingt auf der Website der Gemeinde Rimbach vorbeischauen: Einmal im Jahr kann man hier verschiedene Obstbäume bestellen und bekommt weitere Informationen: Gemeinde Rimbach / Obstbäume.
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Apfelernte und Kelterei
Meine erste Apfelernte habe ich vor Jahren in der Wald-AG der Grundschule meiner Kids mitgemacht. Wir sammelten hauptsächlich Fallobst ein und jemand aus der Gruppe brachte es zum Keltern. In meinem eigenen Garten war es bislang, wie man obigem Text entnehmen kann, noch kein Thema. Dafür durfte ich vergangenen Herbst einen Blick hinter die Kulissen der mobilen Kelterei von Familie Strecker in Zotzenbach werfen.









Eine ausführliche Erklärung über die Funktionsweise der mobilen Kelterei, und weitere Infos, findet ihr hier: Streckers mobile Kelterei. Es handelt sich um einen besonders schonende Art des Kelterns, da mit gleichmäßiger Druckverteilung gedrückt und nicht gequetscht oder zerfetzt wird.

Im ehemaligen Faselstall (Zotzenbacher Weg 18, Rimbach) ist die Gemeindekelterei untergebracht, die größere Mengen an Äpfeln in kürzerer Zeit verarbeiten kann und die ebenfalls von Albin Strecker betrieben wird.
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Der Bembel, der Äppler und das Gerippte5
Kommen wir zu einem Thema, mit dem ich mich noch anfreunden muss beziehungsweise will: der Apfelwein. Puuh. Als Zugezogene sollte man seine Meinung dazu vielleicht besser nicht veröffentlichen ;-). Den ersten Apfelwein habe ich versehentlich gekauft, weil er sich in eine Kiste Apfelsaft hineingeschmuggelt hatte. Ich fand ihn furchtbar. Die einen sagen, dass man den Apfelwein pur nicht trinken sollte, sondern nur gespritzt (mit Mineralwasser oder Limonade versetzt), andere wiederum genießen ihn auch pur. Tja was soll man sagen. Bevor ich in den Odenwald zog, war der Cidre, das einzige Apfelgetränk mit Alkohol, das ich kannte. Und Cidre mag ich sehr!
Cidre und Apfelwein unterscheiden sich bei der Herstellung, bei der verwendeten Apfelsorte und bei den Zusätzen (und genaugenommen eben auch bei der Region in der sie hergestellt werden): Flaschengärung versus Fassgärung, ganz bestimmte Äpfel versus verschiedene Äpfel und Zusätze wie Zucker oder Aromen versus keine Zusätze (und Frankreich versus Hessen).
Apfelwein ist herber, trockener und eher ein „Bauerngetränk“, während Cidre als milder, süßer und oft eleganter gilt.
Nicht von mir sondern von: OpenAI. ChatGPT. 17 July 2025, chat.openai.com.
Einheimische nennen den Apfelwein auch gerne Äppler, und traditionell wird er im Bembel gebracht und ins Gerippte (Glas mit Rauten) eingeschenkt. Das sind typisch hessische Accessoires rund um den Apfelwein, die ich echt Klasse finde – und schon deshalb werde ich nicht aufgeben und noch das ein oder andere Stöffche zu mir nehmen.
Fazit
Äpfel wachsen vor unserer Haustür. Man kann sich an den Streuobstwiesen freuen, spazieren gehen, selbst Äpfel anbauen oder bei der Lese helfen. Man kann (heimische) Äpfel kaufen, verschenken und essen oder etwas leckeres damit machen. Äpfel sind unglaublich vielseitig: Apfelsaft, Apfelkuchen, Apfelchips, Apfelküchle, Apfelessig und vieles mehr. Freu‘ Dich auf den Herbst!
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Anmerkungen
- Raupe des Apfelwicklers ↩︎
- Link: Erlebnis-Spaziergang in den Albersbacher Streuobstwiesen mit Kostprobe ↩︎
- Genaugenommen können auch andere Obstsorten als Latwerg verarbeitet werden. Es handelt sich hier um eine lange gekochte Urform des Fruchtaufstrichs, die ohne Wasser- und Zuckerzusatz auskommt und lange haltbar ist. ↩︎
- Auf den Elstar ist einfach kein Verlass, selbst im professionellen Anbau sind die Erträge unregelmäßig. ↩︎
- Wandmalerei auf einem Haus in Albersbach-Kreiswald ↩︎